auch ich fange jetzt hinten an: Die von Dir aufgeführten Firmen gehören alle wie auch NOMOS zur Riege derer, deren Preis für Edelmetalluhren auf dem Gebrauchmarkt stark einbrechen und nahe an die Preise für die Edelstahlmodelle rücken. Hier mal ein anderes Beispiel. Gehe auf die Chrono24.de-Seite und suche dort nach "Reverso Grande Date 8 Days". Dort wirst Du finden, dass die Edelmetalluhren deutlich teuerer sind, als diejenigen aus Edelstahl. Nimm ALS, die ja nur Edelmetalluhren herstellen; da brechen die Preise auch nicht so stark ein. Dornblüth, NOMOS, GO und viele andere, haben sich am Markt nicht als Primärhersteller für Edelmetalluhren etabliert und damit fehlt ihnen eben die Kundschaft, die hohe Preise für die vereinzelten Golduhren auf dem Gebrauchtmarkt zu bezahlen bereit ist. Aus der Sicht des Käufers einer gebrauchten Uhr ist das natürlich erfreulich. So erhält er doch eine Golduhr zu einem moderaten Preis und macht im Fall eines Weiterverkaufs auch weniger Verlust. Aber die Sicht des Käufers einer neuen Uhr ist sinnvoller Weise eine andere. Und darauf wollte ich oben in meinem Beitrag hinweisen, indem ich von "Abzocke" schrieb. (Zweifelsfrei gibt es auch viele andere solche Anbieter, NOMOS ist da nicht alleine.) - Wie dem auch sei, speziell bei der LUX bekommt man halt arg wenig Uhr fürs Geld. Aber wenn man diese Uhr mag und auch bereit ist, den ambitionierten Preis zu bezahlen, ist doch alles fein :)
Zur Federkraft: Der Verlauf der Kraftentfaltung einer Uhrenfeder lässt sich grob in drei Bereiche einteilen. Bei Vollaufzug hat die Feder viel Spannung, die nach kurzer Zeit in den am längsten dauernden, jedoch kontinuierlich leicht an Spannung abnehmenden "Arbeitsbereich" übergeht, schließlich gefolgt von einem "Auslaufbereich" in dem die Feder zu wenig Kraft hat, mit der Folge, dass es zu unerwünschten Gangabweichungen der Uhr kommt. Am besten ist es also, die Uhr im Arbeitsbereich der Feder zu betreiben. Wenn man diesen durch ständiges Aufziehen dauernd in den Vollaufzugsbereich überführt, führt das auf die Dauer zur Erlahmung der Feder in ihrem nie genutztem und damit ständig unter Spannung stehendem Arbeitsbereich und der Auslaufbereich setzt dem entsprechend zunehmend früher ein, wenn man die Uhr dann doch mal ablaufen lässt. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Kräfte, die auf das Räderwerk wirken, durch das ständige Aufziehen stets im oberen Bereich gehalten werden, statt die Uhr in Ruhe innerhalb des Arbeitsbereichs der Feder lange arbeiten zu lassen. Dadurch wird der Verschleiß des Räderwerks erhöht. - Diese beschreibenen Effekte sind allerdings nicht so gravierend und würden von den wenigsten Trägern der Uhr je bemerkt werden. Aber theoretisch sind sie vorhanden.
Was heißt das nun für den Nutzer einer solchen Uhr? Vier Fälle gilt es zu unterscheiden:
(1) Der Dauernutzer: Er wäre aus oben genannten Gründen gut beraten, eine über mehrere Tage laufende Uhr nicht täglich in den Vollaufzug zu überführen. Bei der LUX gibt NOMOS eine Gangreserve von ca. 84 Stunden an. Das bedeutet, die Uhr müsste nach drei Tagen aufgezogen werden. 3 x 24 = 72, die Restgangdauer von 12 Stunden bis hin zu 84 Stunden wäre dem Auslaufbereich der Feder zuzuordnen. Hier wäre eine Gangreserveanzeige sinnvoll.
(2) Der Nutzer trägt die Uhr arbeitstäglich, legt sie freitagsabends ab und legt sie am Montag in der Früh wieder an. - Na ja ... eine Gangreserve wäre hier schon hilfreich, damit man weiß, woran man ist.
(3) Der Eintagsnutzer, z.B. Forumsmitglieder. Hier wäre es am besten, die Uhr nur halb aufzuziehen. Da die LUX keine Gangreserveanzeige hat, wäre folgendes Vorgehen sinnvoll: Man zieht die Uhr nach deren Stillstand voll auf und zählt dabei die gemachten "Zwirbelungen". (Offiziell wird immer von Umdrehungen der Aufzugskrone gesprochen, doch in der Praxis zählt kein Mensch die Umdrehungen der Krone, sondern zwirbelt halt so wie er es mag, wobei eine "Zwirbelung" gewöhnlich mehrere Umdrehungen der Krone bewirkt. Deshalb spreche ich immer von Zwirbelungen.) Wenn diese für einen Vollaufzug der LUX gezählt worden sind, würde ich die Uhr, wenn ich sie nur eine Tag tragen wollte, nur mit knapp der Hälfte der gezählten Zwirbelungen aufziehen. Auch hier würde natürlich eine Gangreserve Klarheit schaffen!
(4) der Dreitagenutzer: Er zieht die Uhr voll auf und legt sie nach drei Tagen ab. Die Uhr läuft dann bis zum Stillstand und alles ist gut.
Zur Automatikuhr. Ganz klar, wenn deren Feder stets im Vollaufzugsbereich gehalten wird, gelten die Nachteile wie oben beschrieben. Jedoch bewegen sich in der Praxis Automatikuhren gar nicht im Vollaufzugsbereich, weil mit zunehmendem Aufzug das erforderliche Aufzugsdrehmoment so weit zu nimmt, dass es heftigerer Bewegungen des Trägers der Uhr bedarf, um überhaupt zu einem Vollaufzug zu gelangen. Das gilt vor allem für die betagten Werkkonstruktionene wie das ETA 2892-A2. Moderne Automatikwerke kommen auch bei weniger Bewegung in den Vollaufzug. Aber es ist üblich bei einer Revision einer solche Uhr, die Feder auszutauschen, so dass der Effekt der Erlahmung der ständig hoch gespannten Feder nicht zum Tragen kommt. (Der wesentliche Grund für den Austausch der Feder ist allerdings nicht der oben beschriebene Effekt, sondern der Verschleiß deren Rutschkupplung, Gleitzaum genannt.)
Jetzt habe ich wieder das Thema verfehlt, aber wo hätte ich denn die gestellten technische Fragen beantworten sollen? - In diesem Forum fehlt in der Übersicht eine Überschrift sinngemäß wie "Uhrentechnik". Kein Wunder also, dass es immer wieder in den vereinzelten Threads zu solchen Ausflügen in die Technik kommt, sehr zum Unwillen der technisch weniger interessierten Leser.
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